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Wappen in Albstadt
Claus Schenk Graf von Stauffenberg
Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg geb. Schiller
Alexandrine Gräfin von Üxküll-Gyllenband

Fürstbischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg

Autor Heiko Peter Melle
Stauffenberg Gedenkstätte Lautlingen
Impressum

Katholische Kirche

Pfarrkirche St. Johannes und Kirchengemeinde

Zwar kann man die Existenz einer Pfarrgemeinde in Lautlingen erst seit 1275 geschichtlich nachweisen, doch muss schon vorher hier eine christliche Gruppe gewohnt haben. Durch das beim Schulhausbau gefundenes Goldblattkreuz aus dem 8. Jahrhundert wird diese Vermutung belegt. Ab dem späten 13. Jahrhundert ist ständig ein Pfarrer nachweisbar und seit dem 14. Jh. wird der Kirchenheilige St. Johannes bezeugt.

Kirchenbauten

Die Vorgängerbau unserer heutigen Kirche wurde im Jahre 1670 durch den Ortsherrn Wolf-Friedrich Schenk von Stauffenberg erbaut. Für einen Turm jedoch reichten auch seine Mittel nicht aus.


Erst 1725 ließ einer seiner Söhne, Fürstbischof Johann Franz von Konstanz und Augsburg, den heute noch erhaltenen, schönen Barockturm vom aus dem Vorarlberger Land stammenden Baumeister Anton Liebhardt erbauen. Die damalige Kirche war für heutige Verhältnisse sehr klein und stand auf der Ostseite des Turmes, dort wo sich heute der untere Teil des Friedhofes befindet. Bei einer Länge von knapp 17 m und einer Breite von etwa 10 m handelte es sich nach heutigen Maßstäben lediglich um eine kleine Dorfkirche.


Dieses Dorfkirchlein aus der Barockzeit wurde bei einem großen Erdbeben am 16. November 1911 so schwer beschädigt, dass eine Renovation unrentabel war.


Unter größten finanziellen Schwierigkeiten wurde in den Jahren 1912/13 eine neue und größere Kirche gebaut, der Turm aber blieb erhalten.


Bei der heutigen St. Johannes-Kirche handelt es sich zugleich um den ersten sakralen Eisenbetonbau der Diözese Rottenburg. Der damalige Pfarrer Albert Pfeffer, ein unermüdlicher und sachverständiger Kunstforscher und Heimatkundler sowie der Vorsitzende des Diözesankunstvereins, war an der Ausstattung der Kirche maßgeblich beteiligt. Mit seinem Kunstgefühl stattete er die neue Pfarrkirche mit Gegenständen aus der alten Kirche und teilweise aus der Umgegend angekauften Statuen aus.

Nach verschiedenen Renovationen, die mit viel Gefühl ausgeführt wurden, zeigt sich die St. Johannes-Kirche heute als ein heller Hallenbau der dem Barock nachempfunden wurde. Trotzdem wurde aber bei der Farbgebung bewusst bei der Farbe Gold gespart um die Schlichtheit des Raumes zu betonen

Schwesternhaus - Ordensfrauen vom hl. St. Vinzenz in Lautlingen

Chronik der Schwesternstation

zusammengestellt von Pfr. Joh. Linner:


06.10.1896:

Die ersten 2 Schwestern kommen nach Lautlingen. Sie wurden mit „großen Ehrenerweisen" empfangen Die Geistlichkeit der umliegenden Gemeinden, Lehrer, Schulkinder und die ganze Gemeinde holten sie am Bahnhof ab und begleiteten sie zuerst in die Pfarrkirche, wo eine Dankandacht gehalten wurde. Über dem Tor zum Schloss war ein „Triumphbogen" angebracht. Die Inschrift lautete: „Gruß den Engeln der Barmherzigkeit". Sie werden im Schloss untergebracht. Die

Wohnverhältnisse sind zunächst sehr bescheiden: 2 Zimmer und Küche nur mit dem Allernötigsten ausgestattet. Später, als es 3 und dann 4 Schwestern sind, bekommen sie weitere Zimmer. Die gräfliche Familie wohnt zu der Zeit in Stuttgart, wo Graf von Stauffenberg Hofmarschall ist. Zur der Zeit ist Pfarrer Berg (zugleich Dekan) in Lautlingen.


07.10.1896:

Der Kranken-Dienst beginnt gleich am nächsten Tag. Sie betreuen Kranke im Bezirk Balingen: in Lautlingen und Margrethausen, in Ebingen, Balingen und Geislingen. Es gibt einen katholischen Krankenpflegeverein Balingen (noch keine Sozialstation!).


Die Mitglieder zahlen einen sehr kleinen Beitrag. Für die einzelnen Dienste bezahlen die Kranken nichts, weil die Leute in Lautlingen und Margrethausen zu der „ärmeren Klasse" gehören. Das ist den Schwestern „angenehm", weil sie so zu mehr Kranken kommen können, als wenn diese etwas bezahlen müssten. Die Schwestern pflegen den ganzen Tag. Jede 2. Nacht halten sie außerdem Nachtwache. Auf evangelischer Seite wirken die Diakonissen. Bis auf Ausnahmen von der Regel werden die katholischen und evangelischen Kranken getrennt betreut. Für den Unterhalt bekommen die Schwestern vom Bezirkswohltätigkeitsverein 1 Mark pro Tag und pro Schwester. Die Leute tragen durch Lebensmittelspenden zum Unterhalt bei


14.10.1896:

Pfarrer Karl Stehle kommt nach Lautlingen.


12./16.01.1897:

Die 3. und 4. Schwester kommt nach Lautlingen.


22.04.1897:

Wird von Lautlingen aus eine Nebenstation mit  2 Schwestern in Geislingen bei Balingen errichtet.


Die Schwestern kümmern sich auch um die Jungfrauen (Mädchen) am Ort. Am Sonntag Nachmittag, sowie am Mittwoch und Samstag Abend von 19.00 Uhr bis 21.30 Uhr geben sie Nähstunden.


01.11.1900:

Die Schwestern müssen auch die „Industrieschule" mit 50 „Strick-Kindern" übernehmen.


04.09.1905:

Als die gräfliche Familie im Begriff ist, von Stuttgart zurückzukehren und das Schloss wieder selbst zu bewohnen, wird mit dem Bau des Schwesternhauses begonnen. Pfarrer Stehle setzt dafür seine eigenen Mittel ein. Er möchte das Haus als späteren Ruhesitz haben.

Der Bau ist umstritten. Kurz nachdem die Fenster eingesetzt sind, werden in einer Nacht sehr viel Scheiben eingeschlagen.


Mai 1906:

Die Schwestern ziehen in das neue Haus, müssen aber vorläufig auf der Bühne schlafen, wo es im Winter sehr kalt ist.


19.06.1906:

Die gräfliche Familie wohnt wieder im Schloss.


03.07.1906:

Königin Charlotte kommt auf Besuch nach Lautlingen. Sie besucht auch das Schwesternhaus und zollt ihm hohe Anerkennung.


1909:

Die Schwestern bereiten eine Schar von „Jungfrauen" für die Aufnahme in die Marianische Kongregation vor, wobei es Widerstand gibt, weil die Mädchen irrtümlich meinen, dass sie dann nicht mehr heiraten können. Die Theaterbühne im Schwesternhaus wird entsprechend hergerichtet dass die Mädchen dort auch Theater spielen können.


16.11.1911:

Das Erdbeben verursacht am Schwesternhaus viele Risse, die Reparatur kostet 2.000 Mark.


27.05.1927:

Schwester Jovilla kommt als 65. Schwester nach Lautlingen. Schwester Jovilla betreut die Kranken,leitet den Kindergarten, der im Saal des Schwesternhauses untergebracht ist und in dem bis zu 90 Kinder versammelt sind. Sie gibt Näh- und Kochkurse. Sie versieht den Mesnerdienst und schmückt die Kirche.


1936:

Schwester Jovilla leitet vorübergehend den Kindergarten in Margrethausen.


1965:

Das Schwesternhaus wird umgebaut. Mit dem Bau des neuen Kindergartens wird begonnen.


23. 07. 1966:

Pfarrer Stoll weiht den neuen Kindergarten ein.


06.02.1969:

Schwester Eduarda kommt zunächst nach Ebingen.


17.11.1969:

Schwester Eduarda kommt als 89. Schwester nach Lautlingen. Anlass ist der Tod von Schwester Engelburga und die Auflösung der Schwesternstation in Ebingen aufgrund von „Nachwuchssorgen".


23.11.1969:

Schwester Raimonda kommt als 90. Schwester nach Lautlingen. Schwester Eduarda und Schwester Dietlinde helfen auch in der Seelsorge in St. Hedwig mit.


28.01.75:

Schwester Dietlinde kommt als 94. Schwester nach Lautlingen. Sie leitet den Kindergarten.


1977:

Schwester Jovilla wird 80 Jahre alt. Zugleich feiert sie das 50-jährige Jubiläum ihres Dienstes in Lautlingen und das 40-jährige Jubiläum ihres Mesnerdienstes. Ihr wird die Martinus-Medaille der Diözese Rottenburg -Stuttgart verliehen.


1977:

Das Schwesternhaus wird zum 2. Mal grundlegend renoviert. Die Verunstaltungen der 1. Renovation werden so weit als möglich wieder rückgängig gemacht.


01.10.1977:

Der Bezirks-Krankenpflegeverein wird aufgelöst. Die kath. Sozialstation St. Vinzenz wird gegründet. Die Trägerschaft hat die kath. Kirchengemeinde St. Hedwig in Ebingen. Die Leitung übernimmt Schwester Eduarda.


1980;

Schwester Jovilla wird die Ehrenbürger-Medaille der Stadt Albstadt verliehen.


Im Schwesternhaus wird eine zum Saal gehörige Küche eingebaut. Das Verbandszimmer wird dafür aufgelöst.


1996:

Schwester Dietlinde scheidet aus dem aktiven Dienst im Kindergarten und geht in den Ruhestand. Sie hilft verstärkt in der Seelsorge der Kirchengemeinde Lautlingen mit.


Insgesamt (die Praktikantinnen eingeschlossen) waren es 106 Schwestern, die in Lautlingen gewohnt haben und hier und in der Umgebung tätig waren.


04.02.2001:

Ein Abschiedsgottesdienst für die Schwestern wird gefeiert. Nach 105 Jahren sind Schwester Dietlinde (69), Schwester Eduarda (66) und Schwester Raimonda (64) die letzten Vinzentinerinnen die in Lautlingen sind. Aufgrund von mangelndem Nachwuchs wird die Schwesternstation zum 28. Februar aufgelöst.

Endgültiger Abschied... von links: Sr. Dietlinde, Sr. Eduarda und Sr. Raimonda. Sie waren die letzten Schwestern vom Orden des hl. Vinzenz von Paul in Lautlingen